Ich habe im Radio dieses kurze Gespräch mit Ole Nymoen, dem Autoren des Buches, gehört und fand ihn in seiner Klarheit recht erfrischend. Der Beitrag hier von BR24 ist noch kürzer und präziser.
Ich habe im Radio dieses kurze Gespräch mit Ole Nymoen, dem Autoren des Buches, gehört und fand ihn in seiner Klarheit recht erfrischend. Der Beitrag hier von BR24 ist noch kürzer und präziser.
Da das Buch noch nicht auf gängigen Trackern verfügbar zu sein scheint, kann ich das zwar grad nicht nachlesen, aber zumindest von den Zitaten her klingt es eher so, als würde der Autor sich explizit gegen Waffengewalt aussprechen und nicht für absolute Neutralität oder Konfliktvermeidung eintreten. Gibt ja offensichtlich tausendundeins andere - und diskutabel bessere - Wege, Interessen durchzusetzen und Regierungen auszutauschen, als tausende junge Menschen mit dem Schießgewehr in die Gräben zu schicken.
Wenn jemand etwas mit Gewalt an sich reißt – sei es die Regierung eines Landes oder ein anderes Land – dann zwingt er den Anderen eine Wahl auf: entweder Gewalt entgegenzusetzen oder seine Gewalt hinzunehmen.
Die Ukraine kann ihre interessen gegen Putin nur mit Militär durchsetzen. Und die Russen können Putin nur durch gewalt absetzen
Sicher, aber um die Ukraine geht es hier ja nicht. Und selbst wenn die Umsetzung ukrainischer Interessen aktuell gleichzeitig deutsche/europäische Interessen sind (wo ich absolut zustimmen würde), kann nahezu jedes Land bis auf die Ukraine sie nach Lust und Laune ohne jegliche konventionelle Kriegsführung durchsetzen.
Braucht halt auch politischen Willen, nur eine andere Form (aber in meinen Augen eine deutlich vertretbarere) als die konventionelle Aufrüstung ihn benötigt.
Klar gibt es diese Wege. Aber das Problem an Krieg ist, dass man sich im Verteidigungsfall die Mittel nicht aussuchen kann. Die Ukraine hat doch zum Beispiel keine andere Wahl als sich mit Waffen zu wehren oder sich unter russische Autorität zu stellen, was für viele Leute dafür sorgen würde, dass es schlechter wird, was Freiheitsrechte und ähnliches angeht.
Bei der Aufrüstung in Europa geht es ja auch nicht darum Krieg führen zu wollen, sondern darum gewappnet zu sein, falls man Krieg führen muss, bzw. durch die Kapazität sich wehren zu können einen Krieg unwahrscheinlicher zu machen. Ich hätte auch keinen Bock in den Krieg zu ziehen und mag mir gar nicht vorstellen, was das für eine schwierige Entscheidung ist, sein Leben für sowas zu opfern. Aber vielleicht ist das immer noch eine bessere Lösung, als das Leute wie der Autor oder meine Wenigkeit für freie Meinungsäußerung im Gulag landen und da krepieren.
Aber schreibt der Autor nicht explizit über Deutschland? Dem ukrainischen Frontsoldaten kann man schlecht die AK aus der Hand reden, aber Deutschland (und darüber hinhaus jedes andere europäische Land außer der Ukraine) hat im Moment sehr wohl die Wahl der Mittel. Beträchtliche Mittel noch dazu.
Mal eben den gesamten Verteidigungsetat der Union in Kopfgelder für Armeegeneräle und Minister zu investieren um dann ein paar Monate später mit dem letzten aufrecht stehenden russischen Generaloberst zu verhandeln wäre zum Beispiel nach meiner Lektüre immer noch im Sinne des Autoren. Aber das müsste ich wie gesagt nachlesen, wenn das Buch verfügbar ist, vielleicht schreibt er auch einfach Unsinn.
Die Liste möglicher Aggressoren ist ja relativ gering. Und solang sie nicht konventionell angreifen, kann man sie präventiv abarbeiten. Welche Kapazitäten würdest du sagen wären notwendig, eine konventionelle russische Invasion Zentraleuropas unwahrscheinlich genug zu machen um sich sicher fühlen zu können? Zumindest meine ich herauszulesen, dass du diese Kapazität noch nicht als erreicht oder überschritten ansiehst, korrekt?
Soweit ich das sehe, geht es dem Autor tatsächlich nur um Deutschland. Dass wir hier momentan nicht zur Waffe greifen müssen und auch sollten, ist denke ich einmal klar. Das naheliegendste Szenario, in dem er seinen Dienst an der Waffe verweigert, wäre aber wohl ein konventioneller Krieg mit Russland, bei dem Deutschland direkt oder indirekt über die EU eingebunden ist. Wie realistisch das ist? Ich hoffe gar nicht.
Fakt ist aber, dass die Bundeswehr nicht unbedingt im besten Zustand ist. Das fängt bei der Ausrüstung an und hört bei der Durchsetzung mit Rechtsextremen irgendwo auf. Allein das zu bearbeiten ist eine große und teure Angelegenheit. “Positiver” (ich hasse mich dafür sowas im Kontext von Krieg zu schreiben) Nebeneffekt wäre, dass man die Ukraine mit ausgemustertem aber brauchbarem Material unterstützen könnte.